Sektion: Rubriken > Skandale

Skandal 3
SKANDALE
Neuer Film- und Serienstreik in den USA droht
24.11.09 - Da ist erst seit rund 100 Tage der Streik der US-Drehbuchautoren beigelegt worden und man spürt die Auswirkungen immer noch. Jetzt droht neues Ungemach. Diesmal sind die Schauspieler und deren Gewerkschaft SAG an der Reihe, um bessere Tarifverträge zu kämpfen. Nach dem Ablauf des Tarifvertrage Ende Juni boten die Produzenten einen Kompromiss ähnlich der Einigung mit den Autoren. Dies lehnte die SAG jedoch ab. Bis vor kurzem wurden keine weiteren Gespräche geführt. Ein erneuter Vermittlungsversuch blieb erfolglos und daher stehen die Zeichen jetzt auf Streik.

Urabstimmung -> Verhandlung -> Streik

Die rund 120.000 eingeschriebenen Mitglieder werden nun um eine Zustimmung für einen Arbeitskampf gebeten. 75 % müssten sich hinter die Gewerkschaft stellen. Es ist unklar, ob dieser Prozentsatz erreicht wird. Falls dies so ist, will die SAG ihr Votum zunächst als Druckmittel für ihre weiteren Verhandlungen nutzen. Erst wenn sich auch dann nichts bewegt, wird es ernst.



SKANDALE
Der "Fall US-Autorenstreik"
4.2.08 - Im November 2007 sind die US-amerikanischen Autoren der Drehbücher für Filme und Serien in den Streik getreten. Die Gewerkschaft "Writers Guild of America" will eine angemessenere Entlohnung für seine Mitglieder bei der Internetauswertung und den DVD-Verkäufen herausholen. Die angesprochenen Film- und Fernsehstudios blieben allerdings bislang unerweichlich. Nun kam am Wochenende etwas Bewegung in die Angelegenheit. Zumindest die größten Streitpunkte wurden offenbar zwischen der Gewerkschaft und der "Alliance of Motion Pictures & Television Producers", dem Verband der Studios, geklärt - der Feinschliff steht noch aus. Leut insiderinformationen wurde auch noch kein Vertrag unterzeichnet, aber man war mit seinen Anwälten zusammengehockt und hat das neue Vergütungmodell besprochen.

Es sieht also so aus, als wenn die diesjährige "Oscar"-Verleihung Ende Februar - im Gegensatz zum Golden Globe - nicht lediglich per Pressekonferenz von statten gehen muss. Bislang wurden verständlicheweise kaum frische Serien bei den TV-Sendern eingereicht und ebensowenig Pilotfilme gedreht. Das Herbstprogramm könnte 2008 also sehr mager aussehen. Die Lichtblicke hierbei sind die wenigen Studios, die mit der Writers Guild of America unabhängige Vereinbarungen laufen haben.

Zur Chronologie:

April 2007 munkelte man erstmalig von einem bevorsteehenden Streik. Aber die meisten Produktionsfirmen nahmen dies nicht ernst. Nur einige erkannten das herannahmende Problem und ließen den Sommer und Herbst entlang auf Hochtouren produzieren, um sich ein Polster zu verschaffen.

Mitte Oktober zogen die Produzenten den eigenen Vorschlag zurück, die Honorare der Autoren künftig so lange aufzuschieben, bis die Produktions-, Distributions- und Marketingkosten eingefahren sind. Viele Autoren fürchteten dabei für einige Formate um die Bezahlung und lehnten dieses Vorhaben kategorisch ab. Eine Streik war trotz beiderseitig geäußerter Verhandlungsbereitschaft nicht mehr verhinderbar.

Am 5. November scheiterten dann die bis dahin fruchtlos verlaufenen Gespräche. Die Alliance of Motion Pictures & Television Producers ging auf keine Forderung ein. Die Autoren hingegen verzichteten einseitig auf eine Erhöhung der DVD-Auswertung. Die US-Latenight-Shows mussten fast alle eine Zwangs-Winterpause antreten, da niemand die unvermeidlichen Eröffnungsmonologe schrieb. Die Showrunner der Fernsehserien gingen ebenfalls in den Streik und einige Produzenten schlossen sich an. Die TV-Sender drohten darauf mit Klagen - bei Drohungen blieb es allerdings.

Anfang November musste FOX erklären, das die Serie »24« verschoben wird, die Dreharbeiten von Serien wie »Desperate Housewives«, »Two and a half Men« und »Rules of Engagement« wurden gestoppt. In einem Spezialdeal schaffte es NBC, mit sieben Folgen der eigentlichen Internetserie »Quarterlife« eines seiner Programmlöcher zu flicken. Später wurde klar, dass der Sender mit seinem zwangsverordneten Alternativprogramm: »Deal or no Deal«, »American Gladiators«, »Medium« und »Law & Order« erstaunliche Einschaltquoten gegenüber der Konkurrenz erzielte.

Am 12. November wollten die Showrunner ihren Streik beenden, wenn die Verhandlungen wieder aufgenommen würden, was eine Woche später tatsächlich eintrat - jedoch auch zu diesem Zeitpunkt ohne Einigung .

Im Dezember stellten die fünf großen Sender das Winterprogramm vor und wollten demonstrieren, dass man auch ohne die Autoren und die damit verbundenen Seriendrehbücher auskommen kann. Das Resultat: mehr Reality-Shows, Wiederholungen und Filme. CBS kündigte den Wechsel Serie »Dexter« vom Pay- ins Free-TV an. NBC erklärt, die Serien »Monk« und »Psych« vom Schwestersenders USA Network zu übernehmen.

Mitte Dezember kam Schwung in den Laden: Die Gewerkschaft der US-Film- und Fernsehregisseure wollte mit eigenen Verhandlungen mit dem Verband der Produzenten beginnen. Im Januar fanden diese statt und erbrachte eine separate Einigung innerhalb weniger Tage. Die Writers Guild of America reichte daraufhin eine Beschwerde beim Nation Labor Relations Board ein, da ernsthafte Gespräche abgelehnt wurden. David Lettermann setzte er sich nun in den Weihnachtstagen alleine mit der Gewerkschaft zusammen und unterschrieb einen eigenen Vertrag, der die Forderungen der Autoren erfüllt. alle anderen US-Latenight-Shows gingen ebenfalls wieder auf Sendung.

NBC litt dann besonders unter der ins Wasser gefallenen "Golden Globe"-Verleihung, die fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit innerhalb einer Pressekonferenz stattfand. Viel Schauspieler zeigten so ihre Solidarität mit den Autoren.

Mitte Januar kündigte ABC Studios (früher "Touchstone") seine Rahmenverträge mit etwa 30 schreibenden und nichtschreibenden Produzenten. Wegen des Autorenstreiks könne man auf sie verzichten. Andere Produktionsgesellschaften setzten nach und feuerten dutzende Mitarbeiter.

Am 19. Januar ruderte die Alliance of Motion Pictures & Television Producers löeicht zurück und wollte wieder ernsthaft verhandeln. Einige kleinere Film- und Fernsehstudios (z.B. United Artists) haben bereits separate Verträge ausgehandelt, die damit einen Vorsprung bei der Produktion neuer Serien gewinnen, um die sich alle reissen werden.

Der finanzielle Schaden bei den Studios und in der Region von L.A. ist enorm, trotz aller Sympathie und Solidrität mit den Autoren.

Update (06.02.08):
Grössere Fortschritte
Fortschritte im Streit zwischen der "Writers Guild of America" (WGA) und der "Alliance of Motion Pictures & Television Producers". Der Streik könnte Anfang nächster Woche Geschichte sein, aber noch viele kleine Einzelfragen sind ungeklärt. Immerhin ist laut Branchenblatt "Variety" ist jetzt ein Rahmenvertrag in der Ausarbeitung, der die Besoldung der Autoren neu regeln wird. Deren Anteil an den Erlösen durch den DVD-Verkauf wird erhöht und ebenfalls eine Gewinnbeteiligung bei der Internetverbreitung geregelt. Man geht davon aus, dass der Grossteil der WGA-Mitglieder dem neuen Tarifvertrag zustimmen werden. Man vermutet jedoch auch, dass das Thema Internetvergütung noch lange nicht abschlossen vom Tisch ist und in kommende Vertragsabschlüssen weiterhin eine bedeutende Rolle spielen wird. Die WGA macht ihren Mitgliedern jedoch deutlich, dass sie Richtung Streikende marschiert, man aber die Entwicklung mit vorsichtigem Respekt sehen soll.

Update (12.02.08):
Der Durchbruch
Der Streik geht seinem vorläufig glücklichen Ende entgegen. Die Zeichen stehen zuminest besser denn je. Der Vorstand der Autorengewerkschaft Writer's Guild (WGA) am vergangenen Sonntag seinen etwa 11000 Mitgliedern empfohlen hat, den mit den Studios ausgehandelten Tarifvertrag anzunehmen. Über die Annahme des Vertrags wird am Dienstag in New York und Los Angeles abgestimmt, am Mittwoch könnten die Autoren dann prompt wieder die Schreibarbeit antreten, wenn das Voting positiv ausfällt.

Nehmen die Mitglieder den neuen Vetrag an, erhalten die Autoren künftig - wie gefordert - eine Vergütung für die Auswertung ihrer Schöpfungen aus dem Vertrieb über neue Medienformen (wie z.B. dem Internet). In den ersten zwei Jahren nach der Erstellung gibt es dafür eine Pauschale von 1200 US-Dollar, ab dem dritten Jahr eine prozentuale Beteiligung an den Umsätzen.

Sollte sich die Mehrheit allerdings gegen den ausgehandelten Vertrag aussprechen, geht der Streik vorerst weiter, auch wenn er der Film- und Fernsehlandschaft der USA inzwischen eine schweren Schlag versetzt hat.

Update (13.02.08):
Das Ende
Die Abstimmung hat es nun erbracht: Die Autoren können an ihre Arbeit zurückkehren. Die Writers Guild of America verkündete am Dienstag, dass sich 92.5 % der 3775 stimmberechtigten Schreiberlinge für eine Ende des Streiks entschieden haben. In elf Tagen kan nalso die »Oscar-Verelhung planmäßig über die Bühne gehen. Das war offenbar vielen Beteiligten noch viel wichtiger, als die Details des neuen Vertrages. "Ein Tag der Erleichterung und des Optimismus für alle in der Unterhaltungsindustrie", liessen CBS-Chef Leslie Moonves, MGMs Harry Sloan, NBC Universals Jeff Zucker, Brad Grey (Paramount), Michael Lynton (Sony Pictures), Robert Iger (Walt Disney) und Barry Meyer (Warner Bros)verlauten, "der Streik war außergewöhnlich schwierig für uns alle, aber am stärksten betraf es die viele Tausenden (…), deren Einkommen von dieser Industrie abhängt. Wir hoffen (…), dass wir unser bestes geben können (…), um großartige Inhalte an unsere weltweiten Zuschauer zu liefern".

Quotenmeter.de zeigt, wie es US-serienmäßig nun auch in Detuschland weitergehen wird in diesem Jahr, nachdem viele der Serien nun gewaltig im Dreh-Rückstand sind.