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Skandal 4
SKANDAL
Der "Fall »Wetten, dass ...?«"
31.1.08 - Ein Wett-Kandidat, der schon vor einigen Jahren mit unlauteren Tricks für Schlagzeilen sorgte, hat anscheinend ein weiteres Mal das Publikum zum Narren gehalten. Alfred Weber wettete, die Farbe von Buntstifte am Geräusch erkennen zu können, wenn seine Tochter damit Linien auf ein Blatt Papier zeichnet. Wie die Zeitungen "TZ" und "Blick" berichten, könnte es sich bei der Wette um einen neuen Etikettenschwindel gehandelt haben. Auf Grund der Beschaffenheit der Stifte sei es gar nicht möglich, diese am Geräusch zu unterscheiden. Der Kandidat müsse also einen Trick angewandt haben. Der Schweizer Zeitung "Blick" gegenüber erklärte ein Mitarbeiter der Wettshow: "Alfred Weber hatte mit seiner Tochter einen Geräusch-Code vereinbart. So "hörte" er die Farben, denn Buntstifte tönen alle gleich".
Bislang konnte man davon ausgehen, dass das ZDF sehr großen Wert darauf legt, dass alles mit rechten Dingen zugeht und die Kandidaten die vorgegebenen Fähigkeiten auch in Wirklichkeit besitzen. Doch diesmal ist es erkennbar anders. Beim Zweiten gibt man sich seltsam gelassen: "Die Wette war ja, dass er durch Hören sagen kann, welche Farbe zu Papier gebracht wird. Wie er das gemacht hat, ist seine Sache", räumt ZDF-Sprecher Peter Gruhne der "Blick" gegenüber ein. Will man beim ZDF den Vertrauenbonus verspielen? Ob es bei Webers Buntstift-Wette einen Trick gab und ob die Verantwortlichen davon gewusst haben könnte, lässt Gruhne offen. Beim Sender will man die Story nicht weiter aufbauschen und schweigt zu den Vorwürfen.
Allerdings wusste man ganz genau, mit wem er es bei Alfred Weber zu tun hat. Dieser preist auf seiner Internetseite seine Zauberkünste an. Bereits 2002 stieß er mit einer Wette auf herbe Kritik. Damals trat er als Rechenkünstler auf und wurde Wettkönig, indem er ein sogenanntes magisches Quadrat aus dem Stegreif erstellte. In den nächsten Tagen war zu lesen, dass dazu keineswegs geniale Fähigkeiten von Nöten waren, sondern lediglich vier einfache Rechenoperationen, die sich im Kopf leicht ausführen lassen. Ist die Sendung mittlerweile schon so kandidatenarm, dass man umstrittenen Kandidaten ein zweites Mal laden muss?
"Die Maßstäbe, die uns leiten sind die einer guten Unterhaltungssendung", ist das motto von ZDF-Sprecher Gruhne. Also nimmt man es in Zukunft nicht mehr so genau, wenn es nur spektakulär und quotenträchtig genug ist?